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Autor Nachricht
Denise
Tierliebhaber/-in


Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Alter: 25
Anmeldungsdatum: 02.04.2006
Beiträge: 132

Wohnort: Augsburg

BeitragVerfasst am: 02.04.2006, 22:12    Titel: Der Degu im Profil (Denise 30.03.2006, 11:05 )

Degus



Die charmanten Wilden







Degus (lat. Octodon degus) kamen ursprünglich als Versuchstiere (zur Diabetesforschung) nach Deutschland, fanden aber bald darauf auch ein Zuhause in den Herzen und Wohnzimmern. Da sie erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit als Haustiere gehalten werden, sind sie züchterisch noch nicht erheblich verändert worden und sie haben sich den Wildtiercharakter großteils bewahren können. Die chilenischen Nagetiere leben in freier Wildbahn in selbstgegrabenen Erdhöhlen und sind sehr anpassungsfähig- in ihrer Heimat gelten sie als Getreideschädlinge, haben sich aber eigentlich als Magerköstler an karge Nahrung (Gräser, Wurzeln, Samen...) gewöhnt. Das Leben in Gruppen bietet Vorteile: Bei Gefahr warnt ein Wächter schrill pfeifend die ganze Gruppe und auch bei der Jungtieraufzucht erweisen sich "Degutanten" als sehr fürsorglich.







Der natürliche Farbschlag nennt sich Agouti und zeigt sich in rotbraunem Fell mit heller Bauchseite (cremeweiß bis hellgrau), hellem Fellring um die Augen und dunkler Schwanzquaste. Als weitere farbschläge sind bisher blaue, sandfarbene, weiße und gescheckte Tiere aufgetaucht- allerdings bleibt zu hoffen, dass diese nicht bald zur Mode und "züchterisch" in größerem Stil weitervermehrt werden. Durch Farb- bzw. Merkmalzucht ist bei anderen Tierarten bereits viel Tierleid entstanden (Stichwort Qualzuchten). Da die meisten Deguhalter die Tiere ihrer Natürlichkeit wegen schätzen, stößt die Farbvermehrung auf kaum Gegenliebe und wird meist weder befürwortet noch unterstützt.







Im Verhalten unterscheiden sich Weibchen kaum von Männchen, auch der Geruch ist gleich. Einzelhaltung ist Tierquälerei gleichzusetzen, gleichgeschlechtliche Gruppen funktionieren bei Weibchen wie Männchen gut (Ausnahmen bestätigen die Regel). Einander fremde Tiere dürfen nicht ohne Vorsicht und Maßnahmen zur Sicherheit (Trenngitter) aneinander gewöhnt werden- bei plötzlichem Zusammensetzen fremder Tiere kann es zu Kämpfen bis zum Tod kommen, da auch in freier Wildbahn Eindringlinge ins eigene Revier nicht geduldet und vertrieben werden. In der Käfighaltung kann das unterlegene Tier natürlich nicht flüchten.



Die Geschlechtsunterscheidung ist mit ein wenig Übung nicht allzu schwer und kann auch schon bei sehr jungen Tieren meist problemlos durchgeführt werden. Die Hoden der männlichen tiere liegen in der Bauchhöhle und sind meist kaum zu erkennen, weswegen diese als Unterscheidungsmerkmal ausscheiden. Beide Geschlechter haben einen Harnröhrenzapfen, den unerfahrene Halter mit einem Penis verwechseln könnten. Wichtigstes Merkmal ist der Abstand von Harnröhrenzapfen und After: Bei Weibchen beträgt der Abstand nur wenige Millimeter, bei Männchen hingegen misst er etwa einen Zentimeter und die zwischenliegende Haut trägt meistens eine Hautfalte in Längsrichtung.



Wichtig: Im Szialverhalten der Tiere spielt das Aufreiten eine große Rolle. Männchen wie Weibchen zeigen dieses Verhalten untereinander, egal ob verschieden- oder gleichgeschlechtlich. Es ist als Dominanz- und Freundschaftsgeste zu verstehen, kann von Deguneulingen aber leicht mit der Paarung verwechselt werden.







Deguernährung verlangt ein wenig Fingerspitzengefühl- da die Tiere eine Neigung zur Diabetes aufweisen, muss auf Zuckerzusätze (Zucker, Honig, Melasse, Apfeltrester...) in Futtermittel verzichtet werden. Hauptfutter ist qualitativ hochwertiges Heu- es muss immer in ausreichender Menge zur Verfügung stehen! Dazu kann ein getreidearmes bzw. -freies Degufutter gereicht werden, dieses ist allerdings nur als Ergänzungsfutter anzusehen! Frischfutter in Form von Gemüse (kein Obst!), Wiesenkräutern (z.B. Gras, Wegerich, Löwenzahn, Gänseblümchen) und Zweigen (z.B. von Hasel, Weide, Birke) kann den Speiseplan ebenfalls aufwerten. Das Motto lautet: Karg, aber nicht eintönig! Futterumstellungen müssen immer sehr vorsichtig vorgenommen werden, um die Verdauung nicht durcheinanderzubringen. Nichts geben, wovon man sich nicht 100%ig sicher ist, dass es degutauglich ist!







Auf die Haltung werde ich im entsprechenden Forenbereich noch eingehen.







Bleibt noch zu sagen: Wer sich Degus anschaffen möchte, sollte unbedingt in den Tierheimen seiner Umgebung nachfragen- die Tiere sitzen leider schon allzu oft dort und warten auf ein neues Zuhause. auch von Privat sind immer häufiger Degus abzugeben, auch regelrechte Notfälle mit dutzenden Tieren, die dringend vermittelt werden müssen, tauchen bereits auf. Nochmals ein Apell: Bitte keine gemischtgeschlechtlichen gruppen halten! Es spricht viel mehr dagegen als dafür (auch wenn Degunachwuchs natürlich goldig ist). Degus können 4 mal im Jahr bis bis zu 10 (in seltenen Fällen auch mehr) Jungtiere bekommen, eine Hobbyvermehrung läuft sehr schnell aus dem Ruder und hat oft Inzucht, gesundheitliche Probleme durch Dauerträchtigkeit und Stress sowohl für die Tiere als auch für den Besitzer zur Folge. Degus sind desweiteren keine Streicheltiere- sie sind in der Regel mehr auf ihre Artgenossen als auf den halter fixiert, können aber trotzdem durchaus zahm werden- bloß auf Deguart... Sie brauchen viel Platz und sind keine ausgewiesenen Kindertiere!







Wer sich ausführlicher informieren möchte, kann entweder im Netz nach Infos suchen (es gibt bereits einige ausgezeichnete Infoseiten, z.B. www.degus-online.de oder www.degusite.de) oder sich ein Buch zulegen- dabei sind jene neueren Erscheinungsdatums klar zu bevorzugen!



_________________



Liebe Grüße,



Denise
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Verena
Forum-Admin


Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Alter: 26
Anmeldungsdatum: 02.04.2006
Beiträge: 11297

Wohnort: Nähe München

BeitragVerfasst am: 02.04.2006, 22:12    Titel: Verena Verfasst am: 30.03.2006, 15:30

Hallo Denise,







hey find ich gut deine Infobeiträge zu den Degus, sehr interessant und vor allem für Neulinge hilfreich. Eigentlich sollte man das ja bei allen Tierarten machen eine kurze Zusammenfassung mit den wichtigsten Informationenen zur Haltung, Fütterung usw. und das dann oben festpinnen. Wäre sicher ganz hilfreich denk ich vor allem für solche die sich grade überlegen Haustiere zu holen und nicht recht wissen was.



Oder zumindest so nen ganz kurzen Steckbrief erstellen mit den wichtigsten Infos.



Vielleicht mach ich das demnächst mal wenn ich Zeit habe







Gruß,



Verena
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Biene
Tierversteher/-in



Alter: 28
Anmeldungsdatum: 02.04.2006
Beiträge: 391

Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 30.04.2006, 22:10    Titel:

Hallo zusammen,

hier noch ein paar Infos bzw. Dinge, die vor der Anschaffung bedacht werden sollten:

Lebenserwartung

Degus werden älter als manch andere Nagetiere. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 4-6 Jahren, doch nicht wenige Tiere werden bis 8 Jahre alt, der älteste bekannte Degu sogar stolze 12 1/2 Jahre! Das ist ein langer Zeitraum, in dem man natürlich die Verantwortung für die Tiere hat.

Unterbringung

Unter http://kleintier.kl.funpic.de/viewtopic.php?t=27 hat ja Denise schon etwas über den geeigneten Käfig geschrieben. Richtig interessant wird eine Degugruppe eigentlich erst bei 3-4 Tieren, daher sollte der Käfig am besten direkt entsprechend groß geplant werden. Allerdings ist ein solcher Käfig natürlich nicht gerade billig und kann zudem z.B. zur Urlaubspflege nicht leicht oder sogar gar nicht transportiert werden.

Zahmheit

Zwar gibt es Degus die sehr zahm werden, doch manche bleiben auch ihr Leben lang zurückhaltend und scheu. Degus sehen den Menschen meist eher als interessantes Klettergerüst und Futterspender, weniger als "Partner" an. Streicheleinheiten nehmen zwar manche an, richtig kraulen lassen sich aber nur sehr wenige gerne. Degus sind demnach sehr interessante Tiere zum Beobachten, sie haben ein interessantes Sozialverhalten und eigentlich ist im Degugehege immer was los - doch als Streicheltiere kann man Degus nicht bezeichnen.

Geschlechtsbestimmung

Da wir stets raten, nur gleichgeschlechtliche Gruppen (bzw. falls es sich so ergibt auch ein kastriertes Männchen mit Weibchen) zu halten, hier noch ein Bild zur Geschlechtsbestimmung:



Liebe Grüße
Biene
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